24.04.2018

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Glosse

Im Jahr 2008 begann Joachim "Bommel" Fischer, für die SYKER KREISZEITUNG wöchentliche Beiträge für deren Homepage zu schreiben (www.Kreiszeitung.de). Seit Mitte 2009 erscheinen seine amüsanten Geschichten nicht mehr im Internet, sondern mittwochs im Bremen-Teil der Druckausgabe der KREISZEITUNG.

DAS GEO-DREIECK

Aus der Schulzeit kennt wohl jeder das Geo-Dreieck, jenes kleine Plastikteil, mit dem man Längen und Winkel messen sowie Geraden zeichnen, Dreck aus Ritzen puhlen und von Fensterscheiben schaben und Fingernägel sauber machen kann. Das Geo-Dreieck ist der Gelbe Sack der Mathematik, weil es wie der durchsichtige Plastikbeutel meistens zweckentfremdet wird. Doch wegen seiner eigentlichen Aufgabe sollte es auf keiner Seereise in Hand- oder Brieftasche fehlen (es trägt nicht auf!) und beim Schiffsuntergang auf jeden Fall gerettet werden. Wird man dann als einziger Überlebender an den Strand einer einsamen Insel gespült, kann es einem wertvolle Dienste beim Bauen einer Hütte leisten. Mit Hilfe des Geo-Dreiecks kann man den Bau schön rechtwinklig ausführen und die Fensterbänke sogar parallel zum Boden anbringen. So schafft man sich ein heimeliges Zuhause, in das man abends nach Jagd und Kokosnusssammeln gerne zurückkehrt. Ohne Geo-Dreieck entstehen meistens nur Hütten, bei denen alles krumm und schief ist. Furchtbar, wie das dann aussieht. Da möchte man am liebsten gar nicht wohnen und auch nicht gerettet werden, weil man Angst davor hat, was die Retter zu der Hütte sagen. Ganz anders aber sieht es aus, wenn das Häuschen mit Hilfe des Geo-Dreiecks gebaut wurde. Die Retter werden davon begeistert sein, Fotos für die Zeitung machen und man bekommt auf dem Schiff, das einen heim bringt, eine hübsche Kabine, weil man ja auf der einsamen Insel auch einen gewissen Wohnkomfort gewohnt war. Ich hoffe, dass insbesondere die Schüler das Geo-Dreieck, dem sie sonst oft nicht viel abgewinnen können, nun mit anderen Augen sehen und wissen, was für ein wertvolles Gerät sie in ihrer Griffelmappe haben.



GEDÄCHTNISTRAINING

Im Schaufenster einer Buchhandlung sah ich ein Plakat, mit dem für eine Veranstaltung über Gedächtnistraining geworben wurde. In der Ankündigung hieß es, die Referentin Frau Dr. med. Meyer würde an dem Abend Techniken vermitteln, um sich Vokabeln, Telefonnummern, Passwörter und ähnliches besser einprägen zu können. Die Teilnehmer würden sich zudem wundern, was sie sich mit den entsprechenden Techniken alles würden merken können. Das ist ja wie für mich gemacht, erkannte ich. Mein Gedächtnis für Namen ist nämlich außerordentlich schlecht und brachte mich schon oft in mir peinliche Situationen, wenn ich jemand traf, der mich mit Namen ansprach, den ich jedoch nur mit einem namenlosen "Hallo" oder "Moin" grüßen konnte, weil mir sein Name nicht einfiel. Ich kaufte mir sofort eine Eintrittskarte für den Vortrag.

Einige Tage später fand ich mich rechtzeitig am Veranstaltungsort ein. Der Saal füllte sich bis fast auf den letzten Platz. Wer jedoch nicht erschien, war die Gedächtnistrainerin. Wie sich heraus stellte, hatte sie den Termin für die Veranstaltung vergessen.